Rundumschlag

Es brodelt im deutschen Sport. Am vergangenen Wochenende erschien in der Welt am Sonntag ein Interview mit Christina Schwanitz, Frank Stäbler und Marco Koch, die sich gleich über ein buntes Sammelsurium von Problemen, mit denen der Spitzensport und noch viel mehr die Sportlerinnen und Sportler selbst in Deutschland zu kämpfen haben, den Frust von der Seele redeten.

“Wir kämpfen gegen Millionäre”, Welt am Sonntag vom 10.01.2016 (Externer Link)

Dabei kam eine ganze Palette von Themen zur Sprache. Es ging um Sportförderung, Finanzierung, Werbevorschriften des IOC, den Vergleich mit den Verhältnissen im Fußball, Doping, die fachliche Kompetenz des Sport- (und Innen-)ministers, etc. Alles in allem so bunt (eben ein “Rundumschlag”), dass ich an dieser Stelle nicht auf jeden einzelnen Punkt zu sprechen kommen kann. Was nicht heißt, dass ich das in Zukunft nicht vielleicht etwas detaillierter machen werde. Denn alle diese Punkten werfen in der Tat einige Probleme auf, die man dringend diskutieren sollte.

Wenn man aus dem Interview eine Tendenz herauslesen möchte, dann wohl die: es hat sich etwas aufgestaut bei vielen Spitzensportlerinnen und -sportlern. Schwanitz, Stäbler und Koch sind bei weitem nicht die Ersten, die sich derart kritisch über die bestehenden Verhältnisse äußern. Man denke nur an Robert Harting, Diskus-Olympiasieger und ohnehin nicht eben dafür bekannt, bei kritischen Themen mit seiner Meinung hinterm Berg zu halten. Nach der gescheiterten Referendum um die Hamburger Olympiabewerbung wurden auch aus den Bereichen Hockey, Beach Volleyball, Kanu und anderen entsprechend kritische Stimmen laut, die Missstände in der Verbandsführung und der Sportpolitik des Bundes beklagten, sowie eine immer weitergehende Zurückdrängung der olympischen Sportarten durch die Dominanz des Fußballs, in den Medien und beim Sponsoring-Engagement.

Wie gesagt: über all diese Punkte muss jetzt endlich einmal diskutiert werden. Auch die (sportinteressierte) Öffentlichkeit muss hierbei einbezogen und eben, notfalls halt durch die Sportler selbst, über gegebene oder so empfundene Defizite informiert werden. Dabei darf auch durchaus mal erwähnt werden, dass eine Vorgabe wie die des schon erwähnten Bundesinnenministers, der “ein Drittel mehr Medaillen” fordert, völlig am Ziel einer sinnvoll aufgestellten Sportförderung vorbeigeht. Sportförderung sollte den Sportlerinnen und Sportlern die Möglichkeiten bieten, optimal vorbereitet um Medaillen zu kämpfen. Sie anschließend dafür zu belohnen, dass sie welche gewonnen haben, ist zwar ganz nett, hat aber mit “Förderung” nichts zu tun. Und diejenigen dann noch zu bestrafen, die, eben auch mangels optimaler Bedingungen im Vorfeld, keine gewonnen haben, ist, vorsichtig ausgedrückt, absurd…

Der eigentlich tragische Punkt des Interviews aber ist, dass bei einer großen Mehrheit der Deutschen die erste Reaktion auf den Artikel oder seine Einleitung wohl lauten dürfte: “Bitte wer?”

Dass drei Weltmeister in traditionsreichen Olympischen Sportarten, zwei davon in den sogenannten “Kernsportarten” (Schwanitz im Kugelstoßen, Koch im Brustschwimmen, Stäbler im Ringen) hierzulande so gut wie nicht bekannt sind, kann man im Einzelfall mit persönlichem Desinteresse entschuldigen. Deshalb nehme ich es natürlich niemandem krumm, wenn er oder sie sich gerade genau diese Frage gestellt hat… Bedauerlich bleibt es. Und noch bedauerlicher ist auch die, sagen wir mal, überschaubare Medienpräsenz, die alle drei bislang in ihrer überaus erfolgreichen Karriere genossen haben.

Nun kann ich als kleiner Blog-Anfänger sicherlich nicht das System der Sportförderung aus den Angeln heben. Auch die Werbevorschriften des IOC zu beeinflussen, traue ich mir nicht so recht zu. Aber vielleicht kann ich ja beim letzten Punkt ansetzen, indem ich den einen oder die andere dieser “Randsportler” mal ein wenig näher vorstelle. Etwas mehr öffentliche Aufmerksamkeit, etwas mehr Anerkennung, etwas mehr Respekt haben sie alle verdient.

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