Champions von morgen (und heute)

Man musste dieser Tage lange suchen, um einen Bericht in den (deutschsprachigen) Medien zum Thema Youth Olympic Games (YOG) in Lillehammer zu finden. Nein, eigentlich stimmt das nicht. Wenn man sucht, findet man, schon sehr schnell was, dank Google halt… Aber Sie wissen schon, was ich meine. Wirklich präsent sind die Spiele nun mal nicht, wenn man vielleicht von Anna Seidel absieht, die es immerhin bis in die ZDF Sportreportage geschafft hat. Und mein Vater, ein treuer Morgenmagazin-Seher, hat mir versichert, dass auch da ab und an im Sportblock mal ein Beitrag lief. So für 30 bis 90 Sekunden. Aber sonst…

Sicher, es sind nicht die “richtigen” Olympischen Spiele, es sind “nur” ein paar Jugendliche, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehen, noch nichts Großes in ihrer Disziplin erreicht haben und mehr aus Spaß an der Freude für dieses “Event” nach Norwegen gekommen sind.

Wirklich? Weit gefehlt!

Den ersten beiden Aussagen könnte ich sicher noch zustimmen, wenn man die Begriffe “richtigen” und “nur” weglassen würde, aber der Rest ist doch überraschend weit von der Realität entfernt.
Sie sind alle noch sehr jung, zwischen 14 und 18, und haben hoffentlich noch lange und erfolgreiche Jahre in ihrem Sport vor sich, aber kann man bei jungen Leuten, die mit vier oder fünf das erste Mal auf Skiern oder Schlittschuhen standen, die vielleicht mit sechs oder sieben an ihren ersten Wettkämpfen starteten und nun schon einige Zeit auf ein Sportgymnasium oder -Internat gehen, die an Junioren-Weltmeisterschaften teilgenommen haben, mitunter schon am Weltcup der “Großen”, die von Kanada über Russland bis Korea die Welt bereisen, wirklich “nur” vom “Anfang der Karriere” sprechen? Kann man ernsthaft behaupten, sie hätten noch nichts erreicht? Und kann man Lillehammer 2016, das übrigens allen Beteiligten unendlich viel Spaß gemacht zu haben scheint und ein würdiger Nachfolger für das Wintermärchen von 1994 war, wirklich eine reine Spaßveranstaltung nennen?

Wie eingangs gesagt, die Präsenz von YOG in den Medien ist ausbaufähig. Da tut es gut, wenn einem ein so anschaulich geschriebener und gut recherchierter Artikel wie der von Thomas Hahn in der Süddeutschen in die Hände fällt:

Olympia-Talente: Training, Schule, essen, schlafen – Süddeutsche Zeitung Online vom 17.02.2016, Externer Link

Am Beispiel der aufstrebenden Helden auf Schnee und Eis wird verdeutlicht, was dahinter steckt, wieviel sie alle aufzugeben bereit sind, wie hart sie an sich arbeiten, welch beachtliche Leistungen sie vollbringen, nicht nur in sportlicher Hinsicht und was für wunderbare Charaktere sie bei alldem werden. Es sind Leistungen, die so viel mehr sind, als einfach im richtigen Moment schneller, stärker, besser als andere zu sein.
Nehmen Sie sich einmal den Tagesplan vor, der in dem Artikel geschildert wird. Könnten Sie das? Über Jahre hinweg? Mehr noch, hätten Sie das in dem Alter gekonnt? Und wenn Sie es gekonnt hätten, hätten Sie es wirklich gewollt?

Muss man diese jungen Menschen nicht deswegen bedauern? Es gibt Negativbeispiele, Kinder, die von ehrgeizigen Eltern und häufig unter Tränen zu Höchstleistungen in ihrem Sport (oder auch in der Musik, in der Schule, etc.) angetrieben werden. Kinder und Jugendliche, bei denen einiges auf der Strecke bleibt: Schule, Freunde, Privatleben und einfach nur jung sein. Und selbst wenn die Eltern nicht so viel Druck machen: ist das alles noch eine erstrebenswerte Jugendzeit? Dieses Problem existiert und es ist nicht auf eine bestimmte Sportart oder eben überhaupt auf den Sport beschränkt.

Ich weiß nicht, ob die Sportlerinnen und Sportler in Lillehammer ehrgeizige Eltern haben. Einige vielleicht. Jedenfalls wirken sie, je mehr man sich mit ihnen beschäftigt, nicht wirklich unglücklich, nicht so, als würden sie das alles nur unter Zwang machen. Sie selbst sind Persönlichkeiten, die durch den Sport und all das, was sie in so jungen Jahren schon erleben, was sie leisten, geformt werden. Obwohl, das passivische “geformt” ist hier eigentlich falsch. Ihr Leben, ihre Persönlichkeit, wird nicht geformt. Es ist ihre eigene Jugend, die sie so gestalten, wie sie es möchten. Sie formen sie selbst. Wer sind wir denn, dass wir es wagten, ihnen das abzusprechen? Sie haben dafür nicht den einfachsten Weg gewählt, einen, den nicht Viele gehen würden, selbst wenn es ihnen möglich wäre, aber sie haben sich dafür entschieden. Und die Art, wie sie ihn bewältigen, verdient allergrößten Respekt.

Mehr noch, sie alle verdienen (und haben meine) Bewunderung.

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