Fantastic sports and where to find them

Es ist eine Sportart, die auf eine jahrhundertealte Geschichte zurückblicken kann und doch den meisten Menschen bislang verborgen blieb. Nämlich allen, die, wie zu meinem größten Bedauern auch ich, als Muggle gelten müssen…

Aber vor einigen Jahren, auf dem Höhepunkt des Harry Potter-Hypes, taten sich einige Studenten an amerikanischen, später auch kanadischen und englischen Universitäten zusammen, um das sagenumwobene und in der Welt der Zauberer und Hexen so beliebte Quidditch selbst einmal auszuprobieren. Schnell fanden sich Nachahmer, man gab sich eigene Regeln, wobei die Spieler aus (gravitations-)technischen Gründen im Gegensatz zum “großen Vorbild” auf dem Boden der Tatsachen bleiben müssen. Wenn in knapp drei Wochen bereits die dritte IQA (International Quidditch Association; ja, die gibt es) Weltmeisterschaft (ja, die gibt es auch) in Frankfurt/Main ausgetragen wird, werden nach Lage der Dinge 23 Nationalteams aus allen fünf Kontinenten (darunter etwa Peru, Uganda und Südkorea) dabei sein.

Auf dem ganz hohen internationalen Quidditch-Niveau war das, was ich letztes Wochenende nun mitverfolgen durfte, (noch) nicht ganz. Das jedoch tat der Begeisterung und auch einer gewissen Ernsthaftigkeit, mit fünf Schiedsrichtern, einem exakt präparierten Spielfeld und sogar “Ultras”, keinen Abbruch.

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“Brooms up!”

Die Bielefelder Basilisken waren zu Gast bei den Münster Marauders. Für beide Teams war es eine absolute Premiere, hatten doch beide noch nie ein Spiel auf Wettkampfniveau absolviert. Die Nervosität und teilweise auch die Unsicherheit mit den durchaus gewöhnungsbedürftigen Spielregeln war allen Beteiligten dann auch anfangs anzumerken. Die Bielefelder, die gelbe und blaue Karten für allerlei technische Fouls (Umklammern des Gegners, Angriff auf den Keeper, Weiterspielen trotz Verlassen des Besens…) regelrecht sammelten und zeitweise in dreifacher Unterzahl spielten, hätten vielleicht doch noch ein bisschen genauer das Regelwerk studieren können. (Hab ich vorhin mal gemacht. Ist gar nicht sooo kompliziert…)

Auch die Zuschauer und selbst die Marauders Ultras (“We solemnly swear that we are up to no good!”) waren noch ein wenig erstaunt über die scheinbare Unübersichtlichkeit des Spielverlaufs und verpassten schon mal das eine oder andere Tor. Daran verzweifelt ist aber dann doch keiner. Stattdessen fand man wahlweise irgendwann doch noch in die Struktur des Spiels hinein oder ließ die Spieler einfach machen und hatte seinen Spaß an der freundlichen und ausgesprochen entspannten Atmosphäre. Und im übrigen halten Defizite bei der Regelkenntnis ja auch in anderen Sportarten nur selten engagierte Zuschauer von mehr oder weniger qualifizierten Zwischenrufen ab (“Abseits!”, “Schiri, was war das denn?”, “Der hat doch den Ball gespielt!”…). Die Zuschauerzahl wurde zwar nicht offiziell angegeben, lag jedoch weit über den Erwartungen der Veranstalter.

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Trotz der zwischenzeitlichen Unterzahl (Spieler, gegen die eine Zeitstrafe verhängt wurde, wurden von den Ultras mit einem freundlichen “Ausgeschieden!” verabschiedet), hielt Bielefeld gut mit und behielt die Marauders auch nach frühem 20:0 Rückstand (ein Tor zählt 10 Punkte) immer in Reichweite. Als schließlich der Snitch freigelassen wurde, drängten die Basilisken auf den Ausgleich.

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Der “Snitch” und sein Läufer. Man beachte die schwarze Socke mit Tennisball (am verlängerten Rücken, leider etwas schwer zu erkennen)…

Doch mit einer simplen und effektiven Taktik gelang es dem Seeker der Münsteraner, den Snitch gerade in dem Moment zu fangen, als sein Träger von dem Bielefelder Seeker abgelenkt war. 30 Zusatzpunkte und das unmittelbare Spielende waren die Folge, so dass Münster schließlich mit 80:40 gewann. Die Münster Marauders sind also erstmal, ähnlich wie Island bei Europameisterschaften…, in allen jemals absolvierten Spielen ungeschlagen…

Wie es weitergeht und ob man in absehbarer Zeit tatsächlich in so etwas wie einen geregelten Ligabetrieb übergeht oder übergehen möchte, wird sich zeigen. Am Zuspruch der Fans und nach Lage der Dinge auch am Interesse der Aktiven wird es wohl nicht scheitern.

An verschiedenen deutschen Universitäten, so auch in Münster, wird Quidditch übrigens inzwischen im Rahmen des Hochschulsports angeboten. Teilnehmen dürfen alle Interessierten, auch wenn sie noch immer sehnsüchtig auf den einen Brief aus Hogwarts warten… In diesem Sinne: “Brooms up!”

 

 

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