Turnier der Sieger 2016 – Von Kiepenkerlen, Kaffeemaschinen und dem blauesten Blau

Eigentlich hätten sich die Organisatoren für das diesjährige Turnier der Sieger kein besseres Wochenende aussuchen können. Schon gegen Ende eines, auch für Münsteraner Verhältnisse (“Entweder regnet es oder die Glocken läuten…”), eher durchwachsenen Sommers, strahlte die Sonne vom Himmel. Die Reitsportfans schwitzten bei hochsommerlichen Temperaturen. Schattenplätze waren auf der Tribüne, wie auch am Abreiteplatz oder bei den Gastronomieständen überaus beliebt. Aus eigener Erfahrung kann ich aber berichten, dass man es sich durchaus auch unterm vorsichtshalber mitgebrachten Regenschirm ganz bequem machen konnte. Nur die verschiedenen Reitmodenanbieter dürften wohl eher weniger interessierte Kunden als sonst zum Anprobieren der Reithosen und wetterfesten Reitjacken verzeichnet haben.

Der Turnierplatz vor dem Fürstbischöflichen Schloss war perfekt herausgeputzt. Seit 1955 findet das renommierte Turnier der Sieger in Münster statt. Zunächst auf der Westerholt’schen Wiese, entlang der Promenade, noch heute ist dort der einstige Wassergraben gut zu sehen. Der Umzug auf den Schlossplatz, inklusive der Dressur erst vor knapp zehn Jahren vollzogen, hat sich jedoch wegen des weit größeren Platzangebots für alle Beteiligten und nicht zuletzt wegen der beeindruckenden Kulisse gelohnt.

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Dieses Blau…!

Kurz vor knapp hatte man am Sonntag auch noch eine Packung Brillux-Farbe in den mit einem Oxer überbauten Wassergraben geschüttet. Zwar war die Plane darunter bereits blau, doch es sollte ja auch im Fernsehen besonders hübsch wirken. Erinnerte irgendwie ein wenig an das Turmspringen in Rio, nur mit anderem Farbton…

Pünktlich zum Highlight des Turniers, dem Großen Preis, zugleich Wertungsprüfung der Riders Tour, hatte sich der Himmel dann doch etwas zugezogen, was Pferden und Reitern,  aber auch Zuschauern auf der nicht überdachten Stehplatztribüne sehr entgegen kam.

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Dabei erwies sich der Parcours als ausgesprochen anspruchsvoll. Erst das dreizehnte Paar blieb ohne Fehler und innerhalb der erlaubten Zeit. Vier Fehlerpunkte sammelten auch Ludger Beerbaum, der in Münster seinen 53. Geburtstag feierte, mit Chiara, sowie die Gewinnerin der Riders Tour 2015, Janne Friederike Meyer mit Goja. An der Sprungkraft des Wallachs wird es eher nicht gelegen haben…

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Janne Friederike Meyer mit Goja (weit) über der Kiepenkerl-Triplebarre

Nach zwei Umläufen und spannendem Stechen gewann schließlich Marcus Ehning mit Pret a Tout. Viele am Turnierplatz, wenn nicht alle, werden es Ehning von Herzen gegönnt haben, nachdem seine Reise nach Rio so unglücklich verlaufen war. Sein Olympiapferd Cornado hatte sich einen Tag vor dem Teamwettkampf im Training vertreten, so dass das Paar ausfiel und stattdessen Meredith Michaels-Beerbaum und Fibonacci zum Einsatz kamen.

Für Sieger und Platzierte gab es neben Geldprämien und wertvollen Punkten für die Gesamtwertung auch wieder zahlreiche Ehrenpreise. Darunter für Ehning ein weißes BMW-Cabrio. Der Borkener trat dann auch gleich den Beweis an, dass er durchaus auch mit mehr als einem PS umgehen kann…

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Zwei verdiente Sieger: Pret a Tout und Marcus Ehning.

Janne Friederike Meyer bekam als erfolgreichste Amazone des Turniers eine Perlenkette, die Pflegerin des siegreichen Pferdes (warum wurden die Pfleger und Pflegerinnen eigentlich immer nur beim Vornamen genannt?) eine Kaffeemaschine, wobei man fairerweise dazusagen muss, dass es schon ein ausgewachsener Kaffeevollautomat war, und für Veranstalter Hendrik Snoek, der schon seit 1993 dem Westfälischen Reiterverein vorsteht, hatten alle Teilnehmer zusammengelegt und ein Segway besorgt. Ludger Beerbaum durfte es stellvertretend für alle anderen überreichen und sparte nicht mit Lob:

Ich weiß, dass er es nicht so mag. Aber es wird einmal Zeit, Danke zu sagen für das, was Hendrik Snoek über Jahrzehnte für die Reiter, die Pferde, die Betreuer, die Besitzer, die Züchter und auch für Münster auf die Beine stellt. Das ist unglaublich und allemal wert, dass wir uns offiziell bedanken.

Allerdings verbunden mit einer Bedingung: dass Du noch 15 Jahre weitermachst.

Wie schon in den vorigen Jahren waren zahlreiche Topstars des Spring- (und auch Dressur-)sports nach Münster gereist. Dass eine Woche nach Olympia sogar sechs deutsche Starter (fünf davon Medaillengewinner) von Rio in Dressur und Springen am Start waren, kann man nicht als Selbstverständlichkeit abtun. Es zeigt den hohen Stellenwert, den das traditionsreiche Turnier der Sieger im Turnierkalender hat. Und das ist sicher auch ein Verdienst des Hendrik Snoek.

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Auch bei einem Weltranglistenersten läuft nicht immer alles glatt. Kommunikationsproblem bei Christian Ahlmann und Codex One.

Zum Abschluss durfte dann, auch das Tradition in Münster, der Oxer des SuperBioMarkts geplündert werden, an dem man echtes Obst und Gemüse deponiert hatte, was in früheren Jahren schon mal das eine oder andere Pferd nachhaltig beeindruckt hat…

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Das vom Wetterbericht angekündigte Gewitter kam nicht mehr, stattdessen rissen die Wolken am Schluss der Veranstaltung sogar nochmal auf. Und wieder einmal hab ich ein paar Dinge feststellen können: umgeben von Pferden fühle ich mich irgendwie ausgesprochen wohl, umgeben von guten Freunden sowieso. Und wenn ich dann einen Nachmittag lang beides gleichzeitig erleben kann, möchte ich an keinem Ort der Welt lieber sein.

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