Alles Gold, was glänzt…?

Es gibt eigentlich keinen anderen Namen, der in den letzten vier Jahrzehnten so für den Reitsport in Deutschland stand, wie der Name Beerbaum. Auch Menschen, die sonst mit Springreiten oder Pferden im Allgemeinen nichts am Hut haben, ist der Name durchaus ein Begriff. Seit ich das erste Mal eine Reitsportübertragung im Fernsehen gesehen hab, wobei ich gar nicht mehr genau sagen kann, wann das gewesen sein mag, war Ludger Beerbaum immer da. So sehr ist auch mir sein Name vertraut, dass mir, als gebürtigem Hamburger, gar nicht aufgefallen ist, dass er natürlich plattdeutscher Herkunft ist. Beern sind selbstverständlich Birnen. Beerbaum = Birnenbaum. Insofern lag es auch für Spiegel Online sehr nahe, Fontanes berühmte Ballade zu bemühen, bzw. leicht abzuwandeln: “Herr von Riesenbeck auf Riesenbeck im Münsterland”. Wobei dieser Vergleich natürlich aus mehreren Gründen hinkt, aber darauf will ich jetzt hier nicht näher eingehen… (Spiegel Online – 24.09.2016)

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Ludger Beerbaum (wieder mal) ganz oben…

Wie dem auch sei, mit Ludger Beerbaum hat dieses Wochenende ein ganz Großer Abschied genommen. Abschied freilich nur von der großen Bühne des internationalen Springsports. Bei Turnieren hierzulande wird man ihn und seine Pferde schon noch zu Gesicht bekommen. Bei Championaten (Olympia, WM, EM) und Nationenpreisen aber nicht mehr.

In seiner langen Karriere hat der 1963 in Detmold geborene Beerbaum alles, wirklich alles gewonnen, was es so zu gewinnen gibt im großen Sport. Fünf olympische Medaillen nennt er sein eigen, davon vier in Gold. Fast wäre es noch eine fünfte geworden, doch dazu gleich mehr… Bei Weltreiterspielen gab es weitere vier Medaillen, bei Europameisterschaften gar 10. Dazu kommen neun Deutsche Meistertitel, fünf Gesamtsiege in der Riders Tour, drei Siege im Großen Preis von Aachen, zwei im Deutschen Springderby, zwei auch im Großen Preis von Münster, und und und. Auch die Namen seiner Erfolgspferde, wie Classic Touch, Goldfever und Champion du Lys, klingen noch immer nach, auch Jahre nach dem Ende ihrer sportlichen Karrieren. Die Größte unter ihnen war wohl die Stute Ratina Z, mit der Beerbaum Olympiasieger, Welt- und Europameister wurde. Beerbaum und Ratina, das war eine Paarung, die den Vergleich mit John Whitaker / Milton, Eric Lamaze / Hickstead oder disziplinübergreifend Reiner Klimke / Ahlerich, Charlotte Dujardin / Valegro, Michael Jung / Sam nicht scheuen muss. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch Beerbaums vielfältiges Engagement für die Weiterentwicklung des Reitsports, für den Nachwuchs, für verschiedene soziale Projekte.

Alles eitel Sonnenschein also? Na ja, nicht ganz. Womit wir wieder bei der schon angesprochenen Beinahe-Goldmedaille wären…

An einem lauen Sommerabend des Jahres 2004 war es, in Markopoulo, östlich von Athen gelegen. Die deutsche Equipe gewann unangefochten Olympisches Gold, schon nach drei Reitern war der Sieg in trockenen Tüchern. Doch ein paar Tage später wurde bekannt, dass bei Goldfever eine “verbotene Medikation” festgestellt wurde. Gemeint war der Wirkstoff Betamethason, der hier wohl in einer Salbe enthalten gewesen sein soll. Zu Recht verfolgt der Weltverband FEI insofern eine Null-Toleranz-Politik. Damit ist nicht automatisch Doping festgestellt, ein schwerer Fehler war es dennoch und er hatte Folgen. Beerbaums Ergebnisse wurden gestrichen, das deutsche Team auf Platz drei zurückgestuft.

Für den erfolgreichsten deutschen Springreiter nach Hans Günter Winkler hätte es dennoch ein vernachlässigenswert kleiner Schatten auf seiner ansonsten so strahlenden Karriere sein können, ein verzeihliches Versehen, das zudem wohl eher dem Teamveterinär anzulasten gewesen sein dürfte. Wenn, ja, wenn da nicht einige Jahre später ein paar denkwürdige Sätze in einem Interview mit der FAZ gefallen wären:

Ich habe mich darin eingerichtet, auszuschöpfen, was geht. In der Vergangenheit hatte ich die Haltung: Erlaubt ist, was nicht gefunden wird. Das ist heute nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Ludger Beerbaum, 2009

Ludger Beerbaum wurde damals vorübergehend aus allen Kadern der Reiterlichen Vereinigung gestrichen und erst nach einiger Zeit, einer umfangreichen Untersuchung, zwischenzeitlicher Auflösung aller Spitzenkader und einer ausführlichen Erklärung Beerbaums wieder zugelassen. Seitdem freue ich mich schon etwas verhaltener, wenn Ludger Beerbaum einen Sieg einfährt, als ich dies bei einigen anderen Reiterinnen und Reitern tue. Gleiches gilt übrigens für Christian Ahlmann, dessen Pferd 2008 positiv auf Capsaicin getestet wurde.

Aber dennoch, auch wenn der Schatten über seiner Karriere seit 2009 ein wenig größer ist, er ist und bleibt ein ganz Großer des Springsports. Ludger Beerbaum wird fehlen, in Championaten und Nationenpreisen.

Das Nationenpreisfinale der besten Teams der Welt in Barcelona, mit stattlichen 1,5 Millionen Euro dotiert, wurde für Beerbaum dann noch zu einem würdigen Abschluss seiner großen internationalen Karriere. Fehlerfrei blieb Beerbaum mit Casello, einem 13jährigen Holsteiner Wallach. Auch Christian Ahlmann mit Taloubet Z und Janne Friederike Meyer mit Goja waren perfekt unterwegs, ebenso wie Daniel Deusser mit First Class van Eeckelghem in der ersten Runde, so dass am Ende die Null als Gesamtergebnis stehen blieb. Als es im Stechen drauf ankam, waren dann Marcus Ehning und Pret a Tout wieder einmal bereit, wie schon vor einigen Wochen in den Großen Preisen von Münster und Paderborn. Keinen Geringeren als den Olympiasieger Nick Skelton konnte Ehning auf Distanz halten. Für Ludger Beerbaum der 134. Nationenpreis, an dem Ort, an dem er vor 24 Jahren Einzel-Olympiasieger geworden war.

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